"Ich verlasse mich nicht auf Regierungen, ich glaube, das ist der falsche Ansatz" - Deutsch-israelischer Start-up-Roundtable

Die Frage nach dem "Next Big Thing" beschäftigte den israelisch-deutschen Roundtable, an dem am heutigen Dienstagvormittag acht junge Internet- und Technologiegründer und Investoren beim Internationalen Medienkongress diskutierten. Im Anschluss sprach der Vater des USB-Sticks, erfolgreicher Gründer und Erfinder aus Israel, Dov Moran in seiner Keynote über Chancen und Risiken von Innovation.

Brandenburgs Minister für Wirtschaft und Europaangelegenheiten Ralf Christoffers begrüßte die Gäste gemeinsam mit dem Berliner Botschafter des Staates Israel Yakov Hadas-Handelsman. Christoffers betonte die wertschöpfungspolitische Chance der neuen Medien für Berlin-Brandenburg: "Ziel ist und bleibt es, die Hauptstadtregion als eine der Innovationsregionen in Europa zu etablieren." Hadas-Handelsman bezeichnete Israel als echte Start-up Nation: "Die israelische Gesellschaft ist geprägt von Pioniergeist, hat Visionen und ist bereit, alles zu tun, um ihre Träume wirklich werden zu lassen."

Einig waren sich alle Podiumsteilnehmer, dass sowohl Berlin als auch Tel Aviv beides dynamische und lebendige Metropolen sind. Beide Städte verfügten über eine einzigartige Mischung aus Urbanität und Kultur, aus kreativer Energie und Pioniergeist. Dieser Mix hilft Gründern, ihr wichtigstes Kapital anzuziehen, nämlich die passenden Mitarbeiter mit der notwendigen Begeisterung und Einsatzbereitschaft. Nichtsdestotrotz sei das in beiden Städten die größte Herausforderung.

Auch bei der Frage nach der Finanzierung von Start-ups herrschte Konsens darüber, dass staatliche Unterstützung weniger in Form von Geld fließen sollte. Nico Lumma, von Digital Pioneers (Hamburg): "Das ist mehr oder weniger eine Geste, was Förderanstalten geben. Staatliche Stellen sollten vor allem in Form von Netzwerk-Events oder Konferenzen die Branche unterstützen." Yariv Erel stimmte zu: "Die Regierung sollte sich um die Menschen kümmern, Unternehmer sollten sich um das Geschäft kümmern." Und Moshe Vaknin zeigte sich überzeugt: "Wenn man bereit ist, ein Risiko einzugehen und begeistert von seiner Idee ist, dann ist man auch attraktiv für Investoren. Ich verlasse mich nicht auf Regierungen, ich glaube, das ist der falsche Ansatz."

Die Gründerseite vertraten dabei Conrad Fritzsch von tape.tv und Felix Petersen von Amen mit zwei sehr erfolgreichen Berliner Start-ups; der Israeli Moshe Vaknin von youAPPi, die sich auf personalisiertes Marketing für Smart Phones spezialisiert haben; sowie sein Landsmann Yariv Erel, dessen Firma justAd eine cloudbasierte Software zur Erstellung und Gestaltung interaktiver Werbung auf allen Plattformen entwickelt hat. Als Investoren diskutierten: Yair Re'em, der Israel-Experte von Hasso Plattner Ventures; Nico Lumma von Digital Pioneers, der Beteiligungsgesellschaft von Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz; Ciarán O'Leary von Earlybird Ventures, die erst Anfang des Jahres ihre Zentrale von Hamburg nach Berlin verlegt haben; und Curtis MacDonald vom Bonner High-Tech Gründerfonds, die bereits rund 250 Unternehmen erfolgreich auf den Weg gebracht haben. Moderation: Digitalpionier Stephan Balzer, der mit red onion u.a. gerade die TEDx Berlin veranstaltet hat.

Im Anschluss sprach Dov Moran, der israelische Unternehmer, Gründer und Erfinder des USB-Sticks, in seiner Keynote über "Innovation. The good, the bad and… why in Israel?". Innovation sind für ihn innovative Produkte. Der Umsatz seiner Firma msystems wuchs von 45 mio. $ in 2001 auf 615 mio. $ in 2005. 2006 verkaufte er das Unternehmen für 1,6 Mrd. Dollar an SanDisk. Auch Scheitern gehöre zum Erfolg, so Moran, der die Erfahrung selbst mehrfach gemacht habe und momentan an zahlreichen neuen Ideen und Projekten wie COMIGO, einer Smart TV Lösung oder SHERUT.NET, einem Online Serviceportal, oder SMARTTYPE, einer Tastatur mit integriertem Bildschirm, arbeitet. Es sei ganz einfach innovativ zu sein, die richtigen Leute, Entschlossenheit, Mut. "Sei bereit hart für deinen Erfolg zu arbeiten, gute Ideen ohne eine Menge Arbeit gibt es nicht!"