"We are part of shaping this history" - Julian Assange beim Internationalen Medienkongress in Berlin

Julian Assange hat per Liveschalte vor dem Publikum des Internationalen Medienkongresses gesprochen. Seine Keynote und das anschließende Interview zum Thema "Die Zukunft der digitalen Öffentlichkeit, über Transparenz und was diese für die Welt bedeutet" fanden vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse von vergangener Woche statt. Die Quellen der von WikiLeaks publizierten Informationen waren offengelegt worden, zunächst durch den britischen Guardian, schließlich auch durch WikiLeaks selbst.

Seither wird WikiLeaks vorgeworfen, nachlässig mit seinen Informanten umzugehen und sie nicht ausreichend zu schützen. Erst vor wenigen Tagen hatten sich u.a. die New York Times und Der Spiegel, bisher Medienpartner von WikiLeaks, von der Plattform distanziert und die Veröffentlichung scharf kritisiert, weil sie Informanten gefährde.

Im Interview stellte Melinda Crane denn auch die Frage an Assange, ob er seinen eigenen Ansprüchen an Diskretion gerecht werde. Assange: "Wir hätten es nicht anders machen können". Diese Arbeit berge immer Risiken. Es sei Hauptaufgabe der Journalisten, die Wahrheit ans Licht zu bringen und zugänglich zu machen. Jeder Plan berge das Potenzial in sich, aufgedeckt zu werden, entweder vor, während oder lange nach seiner tatsächlichen Umsetzung. 

Jeder Mensch, jede Organisation, jeder Interessenverband habe eine eigene Agenda, die er/sie verfolge, eventuell auch gegen die Interessen der Allgemeinheit. Aufgabe der Journalisten sei es, die wirklichen Motivationen offen zu legen. Nicht so, wie es Interessenverbände darstellen wollten, sondern direkt aus den Quellen, ungefiltert, frei zugänglich. Journalismus solle als Instrument genutzt werden, die Macht zu kontrollieren, nicht aber die Menschen. Die Tatsache, dass die Veröffentlichung von Informationen derartig starke Gegenreaktionen hervorrufe, zeige, wie angreifbar die betroffenen Parteien/Strukturen seien.
 
Im anschließenden Panel über digitale Nachrichten reagierte Spiegel-Chefredakteur Matthias von Blumencron auf Assange. Er wiederholte die Kritik am Vorgehen von WikiLeaks, die US-Depeschen ebenfalls unbearbeitet und mit Klarnamen von Informanten veröffentlicht zu haben. Beim Spiegel sei man irritiert und erschüttert, dass die Dokumente unbearbeitet ins Netz gestellt worden seien. Das habe man nicht begriffen, so von Blumencron.