Das war der Internationale Medienkongress 2011 - Teil 1
Ein erster Rückblick auf Tag 1 des Internationalen Medienkongresses


Unterseiten
Eröffnung Internationaler Medienkongress
Digital is now! Chancen und Risiken der Digitalisierung für den Contentstandort Deutschland.
Nach der Begrüßung durch Medienboard-Geschäftsführer Elmar Gigliner war die Frage, wie die Architektur für die Medienwirtschaft im digitalen Zeitalter aussehen soll, das zentrale Thema der Eröffnungsdebatte des Internationalen Medienkongresses im Rahmen Medienwoche@IFA. Nach Keynotes von Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann und Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, diskutierten neben Mathias Döpfner ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut, wooga-Gründer und -CEO Jens Begemann, Christian Franckenstein, Vorstandssprecher MME Moviement, RBB-Intendantin Dagmar Reim, Marco de Ruiter, COO, MTV Networks North, und René Schuster, CEO Telefónica Germany, unter der Moderation von Frank Thomsen, Chefredakteur stern.de. Kulturstaatsminister Bernd Neumann stellte in seiner Keynote „Chancen der Digitalisierung nutzen - Kultur und Kreativität fördern" die vielfältigen Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für die Kultur- und Kreativwirtschaft heraus. "Generation iPad – Die Zukunft des Journalismus im Netz: Innovationen, Chancen, Perspektiven" unter diesem Titel ging Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG auf die Herausforderungen der Digitalisierung für die Verlage ein. Das anschließende Podium erörterte die Chancen und Risiken der Digitalisierung für den Contentstandort Deutschland.
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TOP Keynote von William Uricchio: When the Social Becomes Civic
Wenn sich die Bedingungen ändern, ändern sich auch die Regeln, zieht Prof. Dr. William Uricchio (MIT, USA/Utrecht University, NL) das Fazit seiner Keynote. Dieser Prozess lässt sich mit Anwälten zwar verlangsamen, aber nicht verhindern. Der Verlauf der Geschichte ist immer auf Seite der Veränderung. Uricchio plädiert deshalb dafür, bei der Wahrung von Urheberansprüchen entspannter aufzutreten. Immerhin liege es in der Natur des Menschen, Gefundenes aufzunehmen und zu verarbeiten. Man sollte die Erstellung von Werken als eine Kollaboration zwischen dem Urheber und seinem Publikum verstehen, sagt er bezogen auf das Weitererzählen von Geschichten, Sampling von Musik oder das Nutzen populärer Charaktere für soziales Engagement, wie es etwa die Friends of Harry Potter tun. Uricchio erklärte weiter, die Teilhabe sei ein wesentliches Merkmal des menschlichen Miteinander. In der vorindustriellen Zeit waren Geschichten Allgemeineigentum wie Volksmusik oder Religionweiter, sie wurden weiter gesponnen und in neue Kontexte gestellt. Erst mit der Industrialisierung kam das Urheberrecht. Doch über die neuen Möglichkeiten der Partizipation aufgrund von Social Media, den Algorithmen der Computerwelt und der digitalen Vernetzung entsteht die Kultur der Partizipation neu. Dadurch wird auch der Community-Gedanke neu belebt und wächst stetig an Bedeutung. Dabei ist noch längst nicht klar, wozu Social Media noch in der Lage sind. Man müsse weiter lernen, das Transportmittel, die Technik für Social Media, zu verstehen und, wie und mit welcher Zielsetzung die Menschen sie nutzen, so Urrichio.
FFG 3.0. Alles auf Anfang!
Startschuss für die Diskussion um das neue Filmfördergesetz!
Die nächste turnusgemäße Novellierung des FFG steht zum 1. Januar 2014 an. Nach langjährigem Rechtsstreit kamen am heutigen Montagmittag erstmalig Vertreter aller beteiligten Seiten beim Internationalen Medienkongress in Berlin zusammen: Das Panel "FFG 3.0 Alles Auf Anfang!" bot die Chance, frühzeitig Vorstellungen und Wünsche von Gebern und Nehmern, von denjenigen, die in die FFA einzahlen und denjenigen, die von der FFA Förderung erhalten, zusammenzutragen. Auf dem Podium formulierten die Produzenten Til Schweiger (Barefoot Films) und Stefan Arndt (X Filme Creative Pool) sowie Dr. Stefan Gärtner (ProSiebenSat.1/SevenPictures), Johannes Klingsporn (VdF), Thomas Kufus (zero one film/Deutsche Filmakademie), Dr. Thomas Negele (HDF Kino) und Peter Weber (ZDF) ihre Positionen. Zentrale Themen waren dabei die Fragen nach der Beitragshöhe und den Förderkriterien. Die Branche verabredete sich, die Diskussion fortzusetzen und ist optimistisch, gemeinsam zu einem Ergebnis zu kommen. Dafür schlägt FFA-Vorstand Peter Dinges das vielversprechende Prinzip des "Ask & Listen" vor, bei dem sich die unterschiedlichen Branchenteile ihre Ansichten und Vorschläge gegenseitig unterbreiten.
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medienpolitik@IFA: Freie Fahrt für digitale Medien - TV
Im ersten medienpolitik@IFA-Panel sprach sich Kurt Beck, Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder, dafür aus, Medienanbietern gleiche Wettbewerbsbedingungen in allen digitalen Netzen zu bieten. „Dafür werden wir Regelungen brauchen“, stellte Beck klar. Damit unterstützte Beck auch die Position des ZVEI, Einschränkungen beim neutralen Zugang zu den Verbreitungswegen nur dann zu akzeptieren, wo Übertragungskapazitäten begrenzt sind. Eine Diskriminierung von Inhalte-Anbietern sei auszuschließen.
Entertainment-Gipfel: Vom Wert der Unterhaltung
„Was macht sehr gute Unterhaltung überhaupt aus?“ Beim Entertainment-Gipfel beschäftigten sich am Montagnachmittag die Branchen-Profis Jörg Grabosch (Brainpool), Tom Sänger (RTL), Jörg Pilawa (ZDF), Klaas Heuer-Umlauf (Moderator) und Joko Winterscheidt mit der Frage, welchen Einfluss das Internet auf klassische TV-Formate hat. Internet und mobile Endgeräte bieten immer neue Möglichkeiten der Interaktion und damit neuartige Unterhaltungsangebote. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass es nicht allein darauf ankomme, ein gut gemachtes Programm zu zeigen, sondern an erster Stelle immer das Bauchgefühl, der emotionale Moment steht. Der Wert von Unterhaltung hänge immer von emotionalen Momenten und den dazugehörigen Köpfen ab - ganz egal, ob im Internet oder im Fernsehen.
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Power Briefings: Neue Geräte, Big Screens und neue Nutzungsarten
In der White Box stellten fünf Referenten in zehnminütigen Power Briefings die wichtigsten Trends und Innovationen in der Fernsehtechnologie und die wachsenden Nutzungsmöglichkeiten neuer TV-Geräte vor. Zwei Kernthemen bestimmen dabei die aktuellen technologischen Entwicklungen: Smart TV die digitale Vernetzung des Zuhauses und 3D. Mit Dr. André Schneider (Head of Product Strategy, Samsung Electronics), Matthias Krömer (Head of Marketing Video & Connected Home, Vodafone), Dr. Roland Raithel (Public Relations Director, Loewe), Michael Russo (CEO, Tridelity) und Burkard Brache (Product Group Manager Home Entertainment, LG Electronics). Moderation: Helmut Hartung (Chefredakteur, promedia Das medienpolitische Magazin).
In Analogie zum Smart Phone arbeiten die Hersteller an der Optimierung des Smart TV. Nachdem die Vernetzung des Fernsehers mit dem Internet gelungenen ist, steht nun vor allem die Vereinfachung der Bedienbarkeit zur Nutzung von Onlineinhalten über das Fernsehgerät im Mittelpunkt. Eigens entwickelte Apps sorgen bei Samsung Electronics dafür, dass komfortabel auf Unterhaltungsangebote aus dem Netz zugegriffen werden kann. Die Gewährleistung von Beutzerfreundlichkeit bei der kompletten digitalen Heimvernetzung steht bei Loewe besonders im Mittelpunkt. In eigenen Zukunftsstudien wird dort bereits an der Lenkung der Geräte per Gesten geforscht. Im Bereich der Bildqualität ist das Thema 3D zentral. Während die Firma Tridelity als Pionier an der Entwicklung einer Technologie für ein brillenloses 3D-Erlebnis und der Konvertierung von 2D- in 3D-Inhalte arbeitet, strebt LG Electronics vor allem das angenehme und einfache 3D-Vergnügen mit leichten Brillen und hohem Sehkomfort für den Fernsehzuschauer an.
Neue Fernsehen: Broadcast, Broadband & Mobile
In der Keynote erläuterte Marco de Ruiter (COO, MTV Networks), die Hintergründe der Entscheidung, MTV in einen Pay-TV-Sender zu verwandeln und räumte mit dem Vorurteil auf, Deutschland habe keinen Markt für Subscription-Fernsehen. Vorrausetzung für diesen Schritt sei die exakte Definition der eigenen Zielgruppe: Jugendliche, die mit den fließenden Übergängen zwischen Fernsehen und Internet aufwachsen und sich spielerisch der daraus entstehenden Möglichkeiten bedienen können und wollen. Aus dem Anspruch, jederzeit und überall den Content der Wahl abrufen zu können, entsteht die MTV Window Strategy, die zusätzlich zu den linearen TV-Sendungen Previews, Catch-Ups und Archivmaterial auf allen möglichen internettauglichen und mobilen Bildschirmen bereit stellt und über ein duales Finanzierungsmodell aus Abonnement und Werbung realisiert wird.
Ebenfalls deutlich zielgruppenorientiert ist das Konzept von Revision3, vorgestellt von CEO Jim Louderbeck. Die Programme werden derzeit für männliche Konsumenten zwischen 13-34 produziert, können auf allen internettauglichen Bildschirmen empfangen werden und fokussieren sich auf die Bereiche Tech, Games, Media und Food. Die Geschäftsidee basiert darauf, junge authentische und energetische Experten zu den jeweiligen Themen zu Wort kommen zu lassen, und so eine freundschaftsbasierte Communitiy zu generieren im Gegensatz zu einer fanbasierten Community, die sich um Stars, Moderatoren und Schauspieler schart. Durch diesen inhaltlich innovativen Ansatz, der eine hohe Identifikation der User mit den Hosts schafft, ist eine neuartige Platzierung von Werbung möglich: Die Sendungen werden nicht mit Werbeclips unterbrochen, sondern die Hosts der einzelnen Shows testen und empfehlen Produkte und platzieren auf nahezu persönlicher Ebene Sponsoren innerhalb der Sendungen.
Reid Genauer (Vice President Marketing Bitbop), präsentierte die Geschäftidee von Bitbop, einer werbefreien On-Demand-Television-Plattform für TV-Serien. Ein Abonnement berechtigt, den zur Verfügung stehenden Content jederzeit auf allen internettauglichen Bildschirmen Computer, Tablet, Smartphone abrufen zu können, Playlisten zu erstellen und zwischen den Geräten frei zu wechseln. Basis dieses Modells liegt vor allen Dingen der Wandel im Zeitmanagement zugrunde, der es einerseits oft nicht zulässt, eine Sendung zu einem festgesetzten Termin zu sehen, andererseits aber beispielsweise auf Reisen - unregelmässige Zeitfenster eröffnet. Bipbops-Modell könne beliebig erweitert werden auf Film, Sportevents, Games, etc
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Einen Einblick in technische Neuerungen, die die Wettbewerbsfähigkeit von Kabel Deutschland sichern sollen, gab Christoph Schaaf, der Leiter Neuer Technologien bei Kabel Deutschland. Um die Effizienz der Datenübertragung auch in Zukunft weiterhin zu gewährleisten und den steigenden Anforderungen anzupassen, wird momentan HEVC (high efficiancy video coding) entwickelt, ein verbessertes Videokompressionssystem, das bei geringerer Bitrate eine hohe Bild- und Soundqualität garantiert und in 2-3 Jahren auf den Markt kommen soll.
Ein neues Endgerät - das HbbTV (Hybrid broadcast broadband TV) stand im Mittelpunkt des Vortrags von Lars Friedrich (Leiter Teletext und Hybrid TV), Pro Sieben. Das Gerät verbindet unter Verwendung offener Standards Fernsehprogramme und Mehrwertangebote aus dem Internet. So werden Zappingeffekte verhindert, und die Möglichkeit, beispielsweise Werbung zu personalisieren, eröffnet. Ausserdem sieht Friedrich im HbbTV den Nachfolger des Teletextes, der ein eigenes Marktsegment darstellt, und prophezeit eine wachsende Verbreitung der HbbTV-Geräte ab 2012.
3D: Neuer Content und neue Technologien
Was kommt nach dem 3D-Hype? Wie in welchem Verhältnis stehen Content und Technologie? Das waren die Fragen, die die Teilnehmer aus dem Film-, Games- und Erventbereich bei den Screenings „3D – Neuer Content, neue Technologien“ gemeinsam mit Moderator Daniel Budiman (MTV Game One) erörterten. So stellte Constantin-Vorstand Martin Moszkowicz in seiner Keynote die 3D-Strategie von Constantin vor, wo seit längerem verstärkt auf 3D gesetzt wird: „Die drei Musketiere – 3D“ ist gerade in den Kinos gestartet; „Wiki auf großer Fahrt“ und „Krieg der Götter“ folgen in Kürze. Während jedoch in den USA die Begeisterung an 3D langsam abebbt, ist in Deutschland der 3D-Markt mit 20 Prozent Anteil stabil. 3D stelle jedoch immer Ergänzung zum 2D-Angebot dar und habe einen „Mehrwert für bestimmte Filme“, meinte Moszkowicz weiter. Das Storytelling sei nicht von Grund auf erneuert worden. Das bestätigte auch Peter Holzapfel von Crytek, einem der erfolgreichsten deutschen Games-Unternehmen, das mit einer aufwändigen 3D-Technik den First-Person-Shooter „Crysis 2“ entwickelt hat. Hier sei jedoch der „Immersions-Effekt“ enorm und überwältigend. Auch Event-Regisseur Volker Weickert sieht 3D als „Chance fürs Fernsehen, um Leute emotional wieder reinzuholen“, man sollte jedoch genau überlegen, welches Ereignis sich besonders eigne. Wie schön 3D aussehen kann, wenn tausende schwule Flamingos einen Rave tanzen, bewies dann auch Tomer Eshed, HFF-Absolvent und Regisseur bei der Berliner Firma Talking Animals Studio, mit seinem stereoskopisch produzierten 3D-Animationsfilm „Flamingo Pride“.





























